Ist Liebe ein Gefühl oder eine Haltung?

Liebe ist ein vielschichtiges Phänomen, das sowohl als Gefühl als auch als Haltung verstanden werden kann – und vielleicht liegt ihre tiefste Wahrheit genau in der Verbindung beider Aspekte. Als Gefühl begegnet uns Liebe oft in Form von Verliebtheit, Zuneigung oder tiefer Verbundenheit mit einem Menschen. Sie kann sich warm, weit oder euphorisch anfühlen und ist oft von körperlichen Reaktionen begleitet – ein Kribbeln, eine sanfte Berührung des Herzens, eine Erleichterung, wenn der geliebte Mensch da ist.

Diese emotionale Liebe ist jedoch veränderlich. Sie kann wachsen, abflauen, von äußeren Umständen beeinflusst werden. Manchmal empfinden wir sie intensiv, manchmal weniger, manchmal schlägt sie in Schmerz oder Enttäuschung um. Wenn wir Liebe nur als Gefühl betrachten, laufen wir Gefahr, sie als etwas Flüchtiges zu erleben, das wir festhalten wollen – und gleichzeitig Angst haben, es zu verlieren.

Doch Liebe kann auch eine Haltung sein – eine bewusste innere Ausrichtung, die nicht nur auf bestimmte Menschen oder Situationen beschränkt ist, sondern eine Art zu sein und zu handeln. Eine liebevolle Haltung zeigt sich in Mitgefühl, in Wohlwollen, in der Fähigkeit, den anderen in seiner Ganzheit wahrzunehmen, ohne ihn zu besitzen oder zu kontrollieren. In dieser Form ist Liebe nicht nur eine emotionale Reaktion, sondern eine Entscheidung. Es ist die Wahl, selbst dann in Liebe zu bleiben, wenn das Gefühl der Verliebtheit nachlässt oder wenn Konflikte entstehen.

Viele spirituelle und philosophische Traditionen sehen die höchste Form der Liebe genau in dieser Haltung. Die buddhistische Metta-Praxis zum Beispiel kultiviert eine „liebende Güte“, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Auch in der christlichen Mystik wird Liebe oft als eine innere Qualität beschrieben, die unabhängig von äußeren Umständen ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die gefühlte Liebe weniger wertvoll ist – im Gegenteil. Das spontane Erleben von Liebe ist oft der erste Zugang, durch den wir ihre Tiefe entdecken. Doch wenn wir in der Liebe wachsen, können wir lernen, nicht nur auf das wechselhafte Gefühl zu vertrauen, sondern Liebe als eine bewusste innere Haltung zu kultivieren. Dann bleibt sie auch bestehen, wenn Herausforderungen auftreten, wenn Nähe und Distanz sich abwechseln, wenn der andere nicht so ist, wie wir es uns wünschen.

Vielleicht magst du für dich selbst reflektieren: Wann empfindest du Liebe eher als Gefühl? Wann spürst du sie als Haltung? Gibt es Momente, in denen du in Liebe bleiben kannst, auch wenn das spontane Gefühl schwächer ist? Und wie würde sich dein Leben verändern, wenn du Liebe nicht nur als etwas empfindest, sondern als eine Art, die Welt zu betrachten?

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