Warum habe ich ständig Schuldgefühle?

Ständige Schuldgefühle können viele Ursachen haben, doch oft sind sie ein Zeichen dafür, dass in deinem Inneren ein strenges Regelwerk oder ein tief verwurzelter Glaubenssatz aktiv ist. Schuld entsteht nicht aus dem Moment heraus, sondern durch eine innere Bewertung deines Handelns: Du glaubst, etwas falsch gemacht zu haben oder nicht so zu sein, wie du „sein solltest“. Die Frage ist: Woher kommt dieses „Soll“?

Manche Menschen entwickeln chronische Schuldgefühle, weil sie in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem Liebe oder Anerkennung an Bedingungen geknüpft waren. Vielleicht hast du gelernt, dass du nur dann gut bist, wenn du die Erwartungen anderer erfüllst – und sobald du das nicht tust, taucht das Gefühl auf, etwas falsch zu machen.

Schuld kann auch aus frühkindlichen Prägungen stammen, wenn ein Kind zum Beispiel die emotionalen Zustände seiner Eltern unbewusst mit sich selbst in Verbindung bringt. Ein Kind, das die Traurigkeit oder Wut der Eltern spürt, aber nicht verstehen kann, dass diese Gefühle nicht seine Verantwortung sind, kann unbewusst den Glaubenssatz entwickeln: Es liegt an mir. Ich bin schuld.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass du eine sehr hohe moralische oder ethische Messlatte an dich selbst anlegst – vielleicht sogar eine, die unerreichbar ist. Du erwartest von dir, immer richtig zu handeln, niemanden zu verletzen, alles zu durchdenken. Doch weil das in der Realität nicht möglich ist, entsteht ein ständiger innerer Konflikt zwischen dem Idealbild von dir selbst und der unweigerlichen menschlichen Unvollkommenheit. Schuldgefühle treten dann auf, weil du glaubst, diesem Bild nicht gerecht zu werden.

Manchmal kann Schuld auch eine verdeckte Angst sein – Angst vor Ablehnung, Angst, nicht genug zu sein, Angst davor, andere zu enttäuschen. Schuld hält dich in einem inneren Kreislauf gefangen, in dem du versuchst, dich selbst zu korrigieren, bevor jemand anderes dich möglicherweise zurückweist.

Der Weg aus ständigen Schuldgefühlen beginnt damit, sie nicht einfach als „wahr“ hinzunehmen, sondern zu hinterfragen: Für welche unausgesprochenen Regeln bestrafe ich mich eigentlich? Wem versuche ich noch immer gerecht zu werden? Ist die Schuld, die ich fühle, wirklich meine? 

Es kann helfen, Mitgefühl für dich selbst zu entwickeln – dich nicht durch Schuld zu disziplinieren, sondern durch Verständnis zu wachsen. Denn oft ist es nicht die Schuld selbst, die das Problem ist, sondern der innere Richter, der unnachgiebig über dich urteilt. Vielleicht ist es an der Zeit, seine Stimme ein wenig leiser werden zu lassen.

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