Wie gehe ich mit starker Angst um?
Mit starker Angst umzugehen erfordert Feingefühl, da Angst sowohl eine körperliche als auch eine psychische Dimension hat. Zunächst ist es hilfreich, wahrzunehmen, dass Angst nicht dein Feind ist, sondern eine Schutzreaktion deines Systems – auch wenn sie sich überwältigend anfühlen kann. Je mehr du gegen sie ankämpfst, desto stärker kann sie werden. Stattdessen kannst du versuchen, ihr mit Interesse und Sanftheit zu begegnen.
Wenn Angst aufkommt, beginnt oft der Körper als Erstes zu reagieren: Herzklopfen, Engegefühl, flache Atmung, Unruhe. Hier kann es helfen, bewusst langsamer zu atmen – tief in den Bauch hinein, länger aus als ein. Auch sanfte Bewegungen oder das Spüren des Bodens unter den Füßen können dabei unterstützen, dich wieder zu verankern. Dein Körper braucht das Signal, dass keine unmittelbare Gefahr besteht.
Auf psychischer Ebene lohnt es sich, die Angst nicht als eine absolute Wahrheit zu betrachten, sondern als eine momentane innere Welle. Welche Gedanken begleiten sie? Ist es eine alte, vertraute Angst oder eine neue? Gibt es eine Botschaft in ihr? Manchmal zeigt sie auf, dass wir uns in einer Situation befinden, die unsere Grenzen überschreitet, manchmal weist sie auf alte, unverarbeitete Erfahrungen hin. Statt dich mit der Angst zu identifizieren, kannst du versuchen, sie zu betrachten – wie eine innere Landschaft, die gerade auftaucht, aber nicht für immer bleiben wird.
Ein weiterer heilsamer Zugang ist Mitgefühl mit dir selbst. Angst kann uns in einen Zustand von Hilflosigkeit versetzen, aber du kannst dir selbst beistehen, so wie du es für einen geliebten Menschen tun würdest. Vielleicht gibt es einen inneren Satz, der dir Sicherheit gibt, wie: „Ich bin hier. Ich muss nichts überstürzen. Ich darf mich in meinem Tempo bewegen.“