Wie kann ich mich gesund abgrenzen?
Abgrenzung bedeutet, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, ohne andere dabei zu verletzen oder sich selbst zu verlieren. Dabei gibt es drei grundlegende Arten der Abgrenzung: unsichere, aggressive und sichere Abgrenzung.
Unsichere Abgrenzung geschieht oft aus Angst vor Ablehnung oder Konflikten. Man sagt vielleicht „Ja“, obwohl man „Nein“ meint, oder lässt zu, dass andere über die eigenen Grenzen hinweggehen. Diese Art der Abgrenzung kann dazu führen, dass man sich ausgenutzt oder überfordert fühlt, weil man seine eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer vernachlässigt. Oft steckt dahinter ein tiefes Bedürfnis nach Zugehörigkeit oder die Angst, nicht gemocht zu werden.
Aggressive Abgrenzung geschieht, wenn man die eigenen Grenzen auf eine Weise verteidigt, die andere verletzt oder einschüchtert. Hier wird „Nein“ gesagt, aber mit Härte, Abweisung oder vielleicht sogar Angriff. Dies kann aus einem Bedürfnis nach Kontrolle oder aus alten Verletzungen heraus entstehen, die verhindern, dass man sich auf eine ausgeglichene Weise schützt. Während diese Form der Abgrenzung scheinbar Selbstbestimmung gibt, schafft sie oft Distanz und Konflikte.
Sichere und gesunde Abgrenzung ist ein klarer, selbstbewusster Ausdruck dessen, was man braucht und wo die eigenen Grenzen liegen – in einer Weise, die weder aus Angst noch aus Aggression geschieht. Sie beruht auf Selbstwertgefühl, Klarheit und Respekt, sowohl für sich selbst als auch für andere. Man bleibt offen, kommuniziert ruhig und authentisch, ohne sich rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen. Eine gesunde Abgrenzung fühlt sich weder nach Rückzug noch nach Kampf an, sondern wie ein natürlicher Ausdruck dessen, wer man ist.